Espresso, Champagner, Kettenschmiermittel: Ein Wochenende in Austin
Unbestreitbar ist, dass Austin seit langem eine Stadt ist, in der der Radsport seine Wurzeln hat. Lance hat der Gegend viel Aufmerksamkeit beschert, ebenso wie eine Handvoll anderer Profi-Radfahrer, die dort ihren Weg nach oben gefunden haben. Verglichen mit der kalifornischen Küste oder der Boulder-Szene galt Austin jedoch nicht wirklich als Radsport-Destination. Das ändert sich jedoch schnell dank der vielen Schotterstraßen und eines neuen Treffpunkts für die Radsport-Community, dem Meteor Café , sowie dem ganzjährigen Radsportwetter. Austin ist ein aufstrebendes Radsportparadies.
Fotos von Andy Chasteen
ESPRESSO, CHAMPAGNER, KETTENSCHMIERMITTEL
Wir hatten Gerüchte über das endlose Netz an Schotterstraßen direkt vor der Stadtgrenze gehört. Als uns der Meteor x Giordana-Fahrer und aktuelle Dirty Kanza-Champion Colin Strickland fragte, ob wir zu einem Schotter-Event, sozusagen als seine Geburtstagsfahrt, mitkommen wollten, war es nicht schwer, uns zu überzeugen. In Utah war gerade der Winter ausgebrochen, und die 24 Grad Celsius, die Austin Mitte November bot, waren das Tüpfelchen auf dem i.
Dass die Fahrt selbst ein Erlebnis sein würde, stand außer Frage, doch als wir im Meteor Café in der Innenstadt ankamen, war klar, dass die Fahrt nur ein Teil des Gesamterlebnisses sein würde. Das Meteor Austin ist erst seit ein paar Monaten geöffnet und folgt dem gleichen Konzept wie sein ursprünglicher Standort in Little Rock: Es kombiniert Fahrräder, Kaffee, Essen und Getränke. Wie sich herausstellte, wissen die meisten Menschen all das zu schätzen, und es schafft eine einladende Atmosphäre für Radfahrer und Nicht-Radfahrer gleichermaßen.
Bei einer Party vor der Veranstaltung am Freitagabend wurden die Fahrer mit Allied-Bikes und Rädern der ENVE G-Serie ausgestattet, um sie bei der Fahrt am nächsten Tag auszuprobieren. Darüber hinaus bot The Meteor, was es am besten kann, einen Ort zum Abhängen mit gutem Essen und Getränken.
AUSTIN GRAVEL
Nur 30 Autominuten von Austin entfernt liegt die Kleinstadt Lockhart, ein Ort, wo Radfahrer in Lycra-Kleidung zwischen alten Pick-ups und Grillbuden wie ein bunter Hund auffallen – der perfekte Ort für ein Gravel-Event, das schnell zu einem bekannten Namen werden könnte. Typischerweise sind es Kleinstädte, die die besten Austragungsorte für Gravel-Events bieten. Denkt an Dirty Kanzas Epizentrum Emporia, Kansas, oder Beaver, Utah, für den Crusher In The Tushar. Es ist die verschlafene, entspannte Atmosphäre, die so gut zu einem Gravel-Event passt, und Lockhart hatte davon definitiv jede Menge zu bieten.
Für den Tag standen 100 Kilometer hügelige Schotterstraßen mit einigen „Hot Zone“-Zeitabschnitten auf dem Programm, die der ansonsten geselligen Fahrt etwas Würze verliehen. Nachdem die Flagge von der Ladefläche unseres Chevy Pickups aus den frühen 80ern geschwenkt worden war, ging es für die nächsten drei bis fünf Kilometer weiter, bis der Chevy mit wehender Zielflagge wieder in Sicht kam. Nach jedem Abschnitt gab es eine Neugruppierung, damit alle wieder gemeinsam fahren konnten, zumindest bis zum nächsten Flaggenwurf.
Anders als die ausgefahrenen und steinigen Forststraßen in Utah oder Kalifornien waren diese asphaltiert und schnell, sodass man sich unbesorgt aufs Vorderrad setzen konnte. Als die Route wieder Richtung Lockhart abbog, war die Enttäuschung groß, da der Radfahr-Teil des Tages sich dem Ende zuneigte. Doch wie wir bald herausfanden, ist Lockhart zwar gut für Schotter, aber noch besser für BBQ. Etwa ein Kilo Rinderbrust später konnten wir mit müden Beinen und vollem Bauch auf den Tag zurückblicken.
Gute Fahrt, fantastisches Essen und neue Freunde. Danke, Austin.